Spenden? Ja, gern. Aber reden Sie vorher mit Ihrer Bank…

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Sie kennen das: In der Vorweihnachtszeit holen Sie Ihre Post aus dem Briefkasten und finden darin täglich jede Menge Spendenaufrufe. Jeder der Absender, ob Unicef, DRK oder Ulrich Wickert, hat ein legitimes Anliegen. Sie betrachten die beigefügten Fotos und blicken in hungrige Augen kleiner, unterernährter Kinder. Natürlich muss diesen Kindern geholfen werden. Sie haben nach Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wie jeder Bürger unserer Weltgemeinschaft ein Recht auf Ernährung.

Zur gleichen Zeit laufen im Fernsehen die großen Spendengalas: Brot für die Welt, Misereor, Ein Herz für Kinder, José Carreras gegen Leukämie – eine Gala jagt die nächste. A-, B- und C-Promis sonnen sich in der eigenen Hilfsbereitschaft. Und Deutschland spendet. Denn da sind sie wieder, die Bilder: Bilder meist afrikanischer Kinder. Sie haben Tränen in ihren Augen.

Sie haben wahrscheinlich auch gespendet. Nicht, um Ihr Gewissen zu beruhigen. Nicht, weil es uns in unserem Überfluss so viel besser geht. Sondern weil Sie nicht mit ansehen können, welches Leid über so viele Menschen hereinbricht. Jeder sechste Bewohner der Erde leidet an Hunger. Auf unserer Erde lebten 1960 noch drei Milliarden Menschen, heute sind es sieben.

Auf unserer Welt ist so viel Leid, dass es nicht zu ertragen ist. Kriege, Dürre, Hunger, Naturkatastrophen gibt es täglich in einem Ausmaß, dass es die Tageschau alleine füllen könnte. Haben Sie sich einmal gefragt, warum uns das Fernsehen diese Katastrophen immer nur häppchenweise, eine nach der anderen zeigt? Weil so die Spendenbereitschaft besser zu kanalisieren ist? Weil wir sonst völlig abstumpfen und ohnmächtig unsere Brieftaschen wegstecken würden? Weil das alles offenbar doch keinen Sinn macht? Weil die gut gemeinte Hilfe nicht ankommt – wie Haiti uns auf erschreckende Weise vor Augen führte?

Vor allem aber: Ist unser Mitleid wirklich angebracht?

Betrachten wir die Wirklichkeit. Deutsche Banken verdienen Geld mit Wetten auf steigende Lebensmittelpreise. Damit treiben sie die Weltmarkt-Preise in eine Höhe, die die Menschen in von Hunger bedrohten Gebieten nicht zahlen können. Unsere Kleiderspende landet in den Händen von gierigen Geschäftemachern, die die Ware preiswert nach Afrika verkaufen – und dafür sorgen, dass die dortige Textilproduktion in den Ruin getrieben und Arbeitsplätze vernichtet werden. Unsere Unternehmen treten in den Kaffee- und Kakao-Anbauländern die Menschenrechte mit Füßen und dulden Kinderarbeit, die nicht einmal bezahlt wird. Die von unserem Staat mitfinanzierte Weltbank gibt armen Staaten Kredite, die sie nie zurückzahlen können – und wenn der Rückzahlungstermin naht, nehmen wir ihnen dafür kurzerhand ihre Rohstoffe ab.

Ihre Bank macht das. Ihre Kleiderspende macht das. Ihr Kaffee-Hersteller macht das. Ihre gewählte Regierung duldet das. Welchen Sinn macht eine €5-Spende gegen die Macht der Banken und der eigenen Regierungen? Woher kommt plötzlich die Occupy-Bewegung? Weil auf unserer Welt etwas furchtbar schief läuft. Jedes Mal, wenn einer unserer Volksvertreter auf einem UN-Kongress eine gerechtere Umverteilung der Güter und Lebensmittel auf unserem Planeten fordert, verhungert ein kleines Kind in Afrika. Und drei Sekunden später stirbt das nächste…

Szenenwechsel. Deutschland zählt zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Bei uns lebt dennoch jeder elfte Bürger am Rande der Armut. Besonders hart betroffen sind davon Kinder, die der Chance beraubt werden, diesem Teufelskreis zu entrinnen.

In Deutschland gibt es fast 900 Tafeln, die benachteiligte Menschen mit Lebensmitteln versorgen. Sie werden ausschließlich durch private Spenden finanziert. In Ihrer Nachbarschaft bitten Vereine händeringend um Spenden, damit Kinder vor Schulbeginn wenigstens in den Genuss eines Frühstücks kommen.

Wie kann es sein, dass in Deutschland elf stationäre Kinderhospize – ohne Gala und ohne Fernsehen – jährlich private Spenden in Höhe von 15 Millionen Euro einsammeln müssen, um ihre Arbeit tun zu können?

Die Kinderhospiz-Arbeit geht uns alle an, denn sie unterstützt die Familien lebensbegrenzend erkrankter Kinder. Wer zeigt die Arbeit der leidenschaftlichen Fundraiser, die jeden Tag Großes leisten, ohne am Ende des Monates Manager-Gehälter einzustreichen? Das Fernsehen? Nein. Das Fernsehen strahlt lieber zur Hauptsendezeit die Megadesaster aus und bietet Prominenten eine fragwürdige Plattform für ihre Betroffenheit.

Ich finde, wir sollten diese Sendungen boykottieren. Und uns stattdessen um das Leid um uns herum kümmern. Das Leid, das vor unserer Haustüre unsere Aufmerksamkeit braucht.

Für das Leid unschuldiger Menschen in fernen Ländern ist die Weltgemeinschaft zuständig. Nur sie alleine kann dieses Leid ausrotten. Aber sie wird es nur tun, wenn wir uns dafür stark machen. Sagen Sie das Ihrem Abgeordneten. Üben Sie politischen Druck auf unsere Parteien und unsere Regierung aus. Und sagen Sie es bitte auch Ihrer Bank.

 

(Mein Beitrag erscheint in “365” dem ersten Magazin des Bundesverband Kinderhospiz. Schenken Sie diesem wichtigen Thema bitte ein paar Sekunden Ihrer Aufmerksamkeit: www.aufmerksamkeit-spenden.de. Danke.)

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1 comment
  1. holger.grossmann said:

    Herzlichen Dank für Ihre mail. Ich bin bis zum 19.10.2012 (einschließlich) nicht im Haus. In dringenden Fällen steht Ihnen Herr Andreas Grimm gerne zur Verfügung (andreas.grimm@acn-rheinland.de – 0211/505-1553). ACHTUNG: Ihre mail wird nicht weitergeleitet. <br/> <br/>Mit besten Grüßen Holger Grossmann <br/>Key Account Manager <br/> holger.grossmann@acn-rheinland.de Tel. 02 11 / 505-28 53 – Fax 02 11 / 505-1449 <br/>ACN Anzeigen-Cooperation Nordrhein oHG <br/>40196 Düsseldorf <br/>Geschäftsführende Verlage: <br/>M. DuMont Schauberg, Köln, Rheinische Post Verlags-GmbH, Düsseldorf. <br/>Sitz Düsseldorf; Amtsgericht Düsseldorf HRA 14538 <br/>www.acn-rheinland.de ACN – Metropolregion Rheinland

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