Warum Werbeleute keinen blassen Schimmer haben…

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Man glaubt es ja nicht. Da werben wir seit sage und schreibe 160 Jahren… Unzählige Kommunikationswissenschaftler forschen seit 100 Jahren… Und was wissen wir über die Wirkung von Werbung: Nichts.

Na ja, fast nichts. Auf jeden Fall zu wenig. Werbende Unternehmen jeder Größe beklagen, dass die Agenturen ihnen nicht erklären können, wie Werbung funktioniert, wie sie wirkt – und vor allem – was sie bringt. Wenn Unternehmen im Range von Audi und Nestlé uvam das seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholen, muss am Vorwurf etwas dran sein.

Gründe hat das viele. Marketing und Werbung sind nun einmal keine Wissenschaften. Im Labor ist es leider nicht möglich, Marketing-Experimente und Versuchsanordnungen wissenschaftlich präzise zu wiederholen. Da ist das Marketing kein Deut besser dran als die Außersinnliche Wahrnehmung. Da ist USP = ESP: Die Unique Selling Proposition ist genau so wenig messbar wie Extra-Sensory Perception.

Gut, der Händler verkauft die beworbene Ware, wenn er sein Angebot via Zeitungsbeilage unters Volk gebracht hat. Der Käsehersteller verkauft etwas mehr Käse, wenn er einen TV-Flight schaltet. Nur ist die Werbung leider teuer – teurer jedenfalls als der Ertrag aus dem Mehrumsatz. Weshalb die Unternehmen nicht nachlassen, den Return On Investment der Reklame zu hinterfragen.

Gut, der Bekanntheitsgrad steigt auch, wenn man wirbt. Soweit ist Werbung messbar. Aber messbar ist nicht, wie es dazu kommt. Was passiert, wenn wir Werbung wahrnehmen bis hin zum alles entscheidenden Augenblick, in dem wir ins Regal greifen, bleibt eine einzige Black Box.

Wir sehen zwar, dass etwas passiert. Aber wir wissen weder was, noch warum. Wenn wir es wüssten, wäre es einfacher für eine Werbeagentur, die „richtige“ Kampagne zu entwickeln. Es wäre einfacher für eine Mediaagentur, den „richtigen“ Mediaplan zu entwickeln. Einfacher für die Designagentur, die „richtige“ Verpackung zu gestalten. Und einfacher für die PR-Agentur, die „richtige“ Botschaft zu platzieren.

Wie kann es nur angehen, dass ein Werbekunde fünf verschiedene Kreativagenturen mit einem identischen Briefing versorgt – und man ihm dann zehn bis fünfzehn völlig verschiedene Kampagnen präsentiert? Wenn ihm keine der Agenturen sagen kann, welche Kampagne die „Richtige“ ist, wie soll er entscheiden? Also befragt er hilflos die Marktforschung (die nächste „Nicht-Wissenschaft“), die ihm natürlich auch keine schlüssige Antwort geben kann. Oder wieso versagen 80% der zuvor aufwändig getesteten Neueinführungen im Supermarkt?

Wir wissen ja nicht einmal, wie viele Werbe-Kampagnen versagen. Wären es ebenfalls 80% (was nach dem Pareto-Prinzip nahe liegt), brächte das die ganze Werbeindustrie an den Rand des Ruins.

Oder wie kann es sein, dass ein Werbekunde fünf verschiedene Mediaagenturen mit einem identischen Briefing versorgt – und man ihm dann fünf völlig verschiedene Mediaempfehlungen präsentiert? Und die Variationen reichen von „Konzentrieren Sie alles auf ein Medium!“ bis „Nur ein umfangreicher Media-Mix kann die Ziele erreichen!“ Wie soll er da entscheiden? Wie soll er wissen, welcher Weg der „Richtige“ ist? Wenn es offenbar nicht einmal die „Fachleute“ wissen…

Vermutlich sind auch 80% aller Mediapläne die reinsten Versager-Pläne. Wahrscheinlich sogar mehr, seitdem Einkaufskonditionen und Agentur-Kickbacks die Mediaplanung steuern. Und die Werbekunden offenbar kein Gegenmittel zur Bekämpfung dieser Plage finden. Oder aus nicht nachvollziehbaren Gründen erst gar keins suchen…

Wäre ich Kunde, ich würde durchdrehen. Und wäre fest davon überzeugt, dass diese selbsternannten „Werbeprofis“ in Wirklichkeit keinen blassen Schimmer davon haben, was sie da machen. Zumal kaum einer der Protagonisten bereit ist, auch nur die geringste Prognose abzugeben, wie erfolgreich meine teure Kampagne werden wird.

Ist also die ganze Reklame nichts als Taschenspielerei? Humbug? Kann man da nicht besser gleich zur Kartenlegerin gehen? Wozu die ganze Kommunikations-„Wissenschaft“? Wozu Marktforschung? Wozu die ganze teure Mediaforschung?

Wie kommt es, dass diese Vorwürfe uns Werber so kalt lassen? Sind wir inzwischen dermaßen selbstverliebt, dass es uns in unserem kreativen Elfenbeinturm nicht einmal stört, wenn die Werbekunden Sturm laufen? Wenn sie wiederholt und lautstark einen Nachweis dafür verlangen, dass (und wie) die drittteuerste Investition ihres Unternehmens funktioniert.

Die Antwort ist simpel. Wir wollen es überhaupt nicht erklären können. Es ist doch viel angenehmer, die Kunden glauben zu lassen, dass Werbung Kunst sei. Und Media eine nur scheinbar Zahlen-orientierte Ausgestaltung dieser Kunst. Denn solange die Kunden sich an der Nase herumführen lassen, lebt es sich ganz gut mit den üppigen Honoraren.

Das Gegenteil ist wahr. Natürlich lässt sich in Erfahrung bringen, ob eine Kampagne ihr Ziel erreicht hat und welchen Return sie einfährt. In meiner Mediapraxis sind mir unzählige Kampagnen untergekommen, bei denen wir sehr konkret ermitteln konnten, dass alleine die vorgenommenen Veränderungen am Media-Auftritt den Kampagnenerfolg verursachten. Und in jedem dieser Fälle ließ sich der „Erfolg“ in Heller und Pfennig ermitteln. Müßig zu erwähnen, dass der Ertrag stets höher ausfiel als das investierte Werbegeld…

Dumm ist nur – und das muss ich ehrlicherweise zugeben – keine einzige dieser erfolgreichen Mediakampagnen ließ sich duplizieren oder wiederholen. Werbung findet tatsächlich nicht im Labor statt. Sondern in den Köpfen und Herzen von „echten“ Zielgruppen-Menschen aus Fleisch und Blut.

Doch die Mechanik, die Kampagnen erfolgreich macht – die lernt man dabei. Und sie ist – wie immer im Leben – erstaunlich simpel. Hier sind die sieben Geheimnisse erfolgreicher Mediaplanung:

1. Versetze dich in deine Zielgruppe.

2. Ändere etwas.

3. Mach es völlig anders als die Wettbewerber deines Kunden.

4. Überrasche deine Zielgruppe.

5. Nutze Situationen: Sie sind wichtiger als die Medien selbst.

6. Nimm noch ein Medium dazu.

7. Vergiss Rabatte und TKPs – sie erzeugen nämlich keine Wirkung.

Werbeerfolg ist machbar. Sogar messbar machbar. Allerdings würde sich – wenn sich dieses Geheimwissen herumspricht – in unserer verwöhnten Branche Spreu von Weizen trennen. Bei den Kreativagenturen ebenso wie bei den Mediaagenturen. Daran sind jedoch derzeit noch nicht alle Marktteilnehmer interessiert.

Solange, werte Kunden, wird es eine 80%ige Kampagnen-Floprate geben. Und ebenso viele langweilige und „schiefe“ Mediapläne.

Ok, Kunden. Jetzt seid ihr an der Reihe. Es ist schließlich euer Geld…

 

 

 

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21 comments
  1. LeBambi said:

    Oh Du Werbe-Weiser, wie wohltuend nichtssagend sind doch deine Worte.In Wirklichkeit ist es doch so, dass unsere Branche vergleichbar ist mit erstklassigem Fussball. Der Markt ist das Spiel, der Kunde die Fans und die Kampagne die Mannschaft, die wir als Trainer aufstellen.Da haben wir z.B. Jung von Matt, die mit dem FC Bayern München zu vergleichen wären. Die teuersten Spieler, die besten Individualisten, die meisten Fans. So viele Titel, dass sich die Balken der Vitrinen biegen und ein Ego, das an Hybris grenzt. Trotzdem müssen auch solche Clubs (und gemeint ist übergreifend beides) damit leben, dass man gelegentlich nicht die Erwartungen erfüllt. Da sind geklaute Logos vergleichbar mit verlorenen Spielen gegen Tabellen-Schlusslichtern. Die Planung stimmte, die Aufstellung stand und dennoch hat man verloren. Das ist eine Frage von Einstellung und teilweise, man mag es kaum aussprechen, auch von Glück.Natürlich ist es doof, wenn man von Controllern über den ROI gefragt, nichts sinnvolles erwidern kann, aber genau das passiert auch nach solchen Katastrophenspielen. Woran hat’s gelegen? Vielleicht war der Platz nicht optimal, die Sonne stand tief, die Leistungsträger haben noch eine CL-Begegnung in den Knochen?Vielleicht hat man die ursprüngliche Botschaft einer Kampagne totgetestet, vielleicht hat der Kunde kurz vor Release doch noch einmal das Model gewechselt, weil es IHM persönlich nicht gefiel, vielleicht passte die Abstimmung zwischen Werbe- und Mediaagentur nicht, da beide andere Zielgruppen geplant haben?Oftmals ist der Erfolg einer Kampagne so unvorhersehbar wie die Lottozahlen und sicherlich verbrennen Kampagnen gelegentlich Geld, aber im Leben ist eben nicht alles messbar und vorhersehbar schon zweimal nicht. Henry Ford soll einmal gesagt haben: "Wer anfängt an der Werbung zu sparen, um Geld zu sparen, kann auch seine Uhr anhalten um Zeit zu sparen!"Vielleicht hat er Recht, aber vielleicht bin ich auch nur ein selbstverliebter Nichtskönner in einem Elfenbeinturm voller Abwehrmassnahmen gegen mein Kapital, die Kunden.Mit hybrischem GrußLeBambi

  2. LeBambi said:

    Oh Du Werbe-Weiser, wie wohltuend nichtssagend sind doch deine Worte.In Wirklichkeit ist es doch so, dass unsere Branche vergleichbar ist mit erstklassigem Fussball. Der Markt ist das Spiel, der Kunde die Fans und die Kampagne die Mannschaft, die wir als Trainer aufstellen.Da haben wir z.B. Jung von Matt, die mit dem FC Bayern München zu vergleichen wären. Die teuersten Spieler, die besten Individualisten, die meisten Fans. So viele Titel, dass sich die Balken der Vitrinen biegen und ein Ego, das an Hybris grenzt. Trotzdem müssen auch solche Clubs (und gemeint ist übergreifend beides) damit leben, dass man gelegentlich nicht die Erwartungen erfüllt. Da sind geklaute Logos vergleichbar mit verlorenen Spielen gegen Tabellen-Schlusslichtern. Die Planung stimmte, die Aufstellung stand und dennoch hat man verloren. Das ist eine Frage von Einstellung und teilweise, man mag es kaum aussprechen, auch von Glück.Natürlich ist es doof, wenn man von Controllern über den ROI gefragt, nichts sinnvolles erwidern kann, aber genau das passiert auch nach solchen Katastrophenspielen. Woran hat’s gelegen? Vielleicht war der Platz nicht optimal, die Sonne stand tief, die Leistungsträger haben noch eine CL-Begegnung in den Knochen?Vielleicht hat man die ursprüngliche Botschaft einer Kampagne totgetestet, vielleicht hat der Kunde kurz vor Release doch noch einmal das Model gewechselt, weil es IHM persönlich nicht gefiel, vielleicht passte die Abstimmung zwischen Werbe- und Mediaagentur nicht, da beide andere Zielgruppen geplant haben?Oftmals ist der Erfolg einer Kampagne so unvorhersehbar wie die Lottozahlen und sicherlich verbrennen Kampagnen gelegentlich Geld, aber im Leben ist eben nicht alles messbar und vorhersehbar schon zweimal nicht. Henry Ford soll einmal gesagt haben: "Wer anfängt an der Werbung zu sparen, um Geld zu sparen, kann auch seine Uhr anhalten um Geld zu sparen!"Vielleicht hat er Recht, aber vielleicht bin ich auch nur ein selbstverliebter Nichtskönner in einem Elfenbeinturm voller Abwehrmassnahmen gegen mein Kapital, die Kunden.Mit hybrischem GrußLeBambi

  3. LeBambi said:

    Oh Du Werbe-Weiser, wie wohltuend nichtssagend sind doch deine Worte.In Wirklichkeit ist es doch so, dass unsere Branche vergleichbar ist mit erstklassigem Fussball. Der Markt ist das Spiel, der Kunde die Fans und die Kampagne die Mannschaft, die wir als Trainer aufstellen.Da haben wir z.B. Jung von Matt, die mit dem FC Bayern München zu vergleichen wären. Die teuersten Spieler, die besten Individualisten, die meisten Fans. So viele Titel, dass sich die Balken der Vitrinen biegen und ein Ego, das an Hybris grenzt. Trotzdem müssen auch solche Clubs (und gemeint ist übergreifend beides) damit leben, dass man gelegentlich nicht die Erwartungen erfüllt. Da sind geklaute Logos vergleichbar mit verlorenen Spielen gegen Tabellen-Schlusslichtern. Die Planung stimmte, die Aufstellung stand und dennoch hat man verloren. Das ist eine Frage von Einstellung und teilweise, man mag es kaum aussprechen, auch von Glück.Natürlich ist es doof, wenn man von Controllern über den ROI gefragt, nichts sinnvolles erwidern kann, aber genau das passiert auch nach solchen Katastrophenspielen. Woran hat’s gelegen? Vielleicht war der Platz nicht optimal, die Sonne stand tief, die Leistungsträger haben noch eine CL-Begegnung in den Knochen?Vielleicht hat man die ursprüngliche Botschaft einer Kampagne totgetestet, vielleicht hat der Kunde kurz vor Release doch noch einmal das Model gewechselt, weil es IHM persönlich nicht gefiel, vielleicht passte die Abstimmung zwischen Werbe- und Mediaagentur nicht, da beide andere Zielgruppen geplant haben?Oftmals ist der Erfolg einer Kampagne so unvorhersehbar wie die Lottozahlen und sicherlich verbrennen Kampagnen gelegentlich Geld, aber im Leben ist eben nicht alles messbar und vorhersehbar schon zweimal nicht. Henry Ford soll einmal gesagt haben: "Wer anfängt an der Werbung zu sparen, um Geld zu sparen, kann auch seine Uhr anhalten um Zeit zu sparen!"Vielleicht hat er Recht, aber vielleicht bin ich auch nur ein selbstverliebter Nichtskönner in einem Elfenbeinturm voller Abwehrmassnahmen gegen mein Kapital, die Kunden.Mit hybrischem GrußLeBambi

  4. Journalistin_BS said:

    Ach wäre doch alles so einfach! Dann würde ich heute einen Video bei Youtube reinstellen, der mein Produkt oder meine Dienstleistung anspricht, meine Webseite und meinen Verkaufsshop präparieren und einen Hype generieren. Und schwups wäre ich reich und berühmt. So gesehen stimmt es, dass niemand einen Werbeerfolg garantieren kann, nicht einmal die coolste aller Werbeagenturen. Falsch ist aber, dass das alles nur Humbug ist. Jedes Unternehmen muss sich und seine Produkte oder Dienstleistungen bekannt machen. Wenn der Kunde nichts über mich weiß, nicht einmal, dass ich existiere, wird er nicht zu mir kommen.Niemand würde einen Laden eröffnen, ohne dass an ihm der Name dran steht und die Kunden im Schaufenster sehen können, was sie erwartet. Auch das ist bereits Werbung, auch für Schaufensterbeschriftung gibt es Experten. Und sei es nur, weil der Ladeninhaber keine Zeit für solche Dinge hat, er wird eine Agentur damit beauftragen. Aber natürlich tummeln sich auch jede Menge schwarze Schafe auf einem stark umkämpften Markt. Die einen bieten zu Dumpingpreisen ihre Leistung an, die anderen pochen auf ihr Renommee und nehmen richtig viel Geld. Und der Kunde hat die Qual der Wahl. Welche Agentur die richtige ist, richtet sich vor allem nach den Vorstellungen des Kunden. Ein guter Marketing-Berater wird immer erst eine Analyse machen, bevor er eine Werbestrategie empfiehlt. Denn man kann Wirkung auch von Werbung in Zahlen fassbar machen.Werbeagenturen aber sehen meist nur den einen Auftrag und fahren auch nur dazu ihre Mittel auf. Die einen sind besonders gut im Bereich Web, die nächsten verstehen sich als Fachleute für Werbe-Videos, wieder die nächsten haben gute Erfahrungen mit Print. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und seine Vorlieben entwickelt – auch Werbefachleute. Genauso häufig will der Kunde auch gar keine vorherige Analyse, weil diese auch zusätzliches Geld kostet. Wer ist dann verantwortlich dafür, dass Werbung nicht wirkt? Die Agentur oder der Kunde?Also: Ja, oft wirkt Werbung nicht in dem Maße, aber ohne geht es eben auch nicht.

  5. Dieter Meyeer said:

    80% sind Flops? Ich glaube sogar, es ist noch mehr. Die Werbekampagnen, die im Kopf bleiben, sind selten wie die Nadel im Heuhaufen. Dummerweise spielen nur die ihr Geld ein.Selbst wenn diese Trefferquote jetzt im VentureCapital Geschäft OK ist (ein Treffer wie Facebook oder Google reisst einen Haufen Flops raus), ist das bei Werbung nicht OK. Denn selbst erfolgreiche Kampagnen bringen keinen fünf- oder zehnfachen Return.Das große Problem der Werbebranche: Die Accountability der Internetwerbung. Je näher die Werbung am harten Verkauf ist, desto mehr zählt nur noch der Klick. Und der ist online messbar und offline nicht. Deshalb wird online geschaltet und offline nicht. Sehr viel Werbung wird heute wie Imagewerbung gestaltet und gemessen, obwohl sie eigentlich Verkaufswerbung ist. Wenn man Image machen will Luxusprodukte) ist das OK, aber für den größten Teil der Produkte trifft diese Art der Werbung halt nicht.Die ganze Branche wird irgendwann ins Rutschen kommen. Die Werbung und die klassischen Medien werden gemeinsam den Bach runtergehen. Schon heute dürfte Google mehr Gewinn erwirtschaften als alle Printangebote der Welt zusammen. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn der Gewinn von Google höher wäre als der Gewinn aller werbefinanzierten Angebote (also inkl. TV und Radio) zusammen. So wie sich die Medien in Richtung Internet und Performance verschoben haben, wird sich auch die Werbebranche in diese Richtung verschieben. Schreib ich einen schlechten Text, klickt niemand. Das Schöne: Weil niemand klickt, kostet mich die Werbung auch nichts. Das ist einfach unschlagbar.

  6. @Dieter Meyeer: Das ist aber ein gefährlicher Trugschluss. Der schlechte Text kostet sehr wohl etwas, nämlich Ansehen, Wohlwollen, Vertrauen. Wer schlecht wirbt, versaut sich den Ruf. Und diesen wieder herzustellen ist erst richtig teuer!

  7. teekay said:

    Waere doch mal ein Gag: 10-20 Fortune 500 Unternehmen sprechen sich ab und testen ein Jahr lang radikale Strategien und die Auswirkungen auf Umsatz, Gewinn, Reputation: Coca-Cola reduziert Marketing um 50%, Nestle macht 0 social media und Beiersdorf nutzt einen Mix. Und irgendeine Computerfirma gibt 150% fuer Marketing aus. Dann setzen die sich nach einem Jahr zusammen und praesentieren ehrlich ihre Ergebnisse. Das gaebe der Branche doch mal was zu diskutieren…

  8. Thomas Koch said:

    @LeBambi, wohltuend nichtssagend? Danke für die Blumen. Angesichts der Diskussion, die meine Provokation hervorgerufen hat, scheine ich ja doch in ein Wespennest gestochen zu haben. Ja, nach 40 Jahren in der schönsten aller Branchen weiß ich, dass Kampagnenerfolge schwer vorhersehbar sind. Ich behaupte ja auch nur, dass es Mechanismen gibt.

  9. Thomas Koch said:

    @Journalistin_BS, danke für den Kommentar. Kann ich guten Gewissens so unterschreiben.

  10. Thomas Koch said:

    @Dieter, na ja, Online ist auch nicht die Antwort auf alles. Performance funktioniert nur, wenn zuvor eine Marke aufgebaut wurde. Messbar erfolgreich. Da das immer mehr vernachlässigt wird, gehen die Performance Werte derzeit so in den Keller. Die Antwort kann nur in einem Kommunikations-Mix liegen. Wie gesagt: Nimm noch ein Medium dazu…

  11. Thomas Koch said:

    @teekay, klasse Idee. Coke macht übrigens etwas Interessantes: Marketing darf 10% des Budgets für Experimente investieren, für deren Ergebnis keine Rechenschaft im Sinne des ROI abgeliefert werden muss. Lerngeld also…

  12. Dieter Meyeer said:

    @MMaschmann:Man sollte natürlich keine "KLICK-MICH-JETZT" Werbung …@Thomas Koch:Es ist nicht die Antwort auf alles. Logisch, Schriebe je selber schon, dass es z.B. für Luxus nie wirklich funktionieren wird. Da zählt Image. Aber heute tut ein großer Teil der Werbung so, als würden sie Werbung für Dior produzieren. Der Teil, der so daneben liegt, ist viel größer als die Werbebranche aktuell ahnt. Das wird die Werbebranche genau so runter ziehen wie die Medien. Man darf ja auch nie vergessen, dass die Medien mit an dem Tropf der Illusion hängen, dass Werbung erfolgreich wäre …

  13. Ich vermute, eine der Ursachen ist die weitgehnde Trennung von Agentur und Unternehmenskultur. Was sich die Menschen wünschen, ist Authentizität. Sie wollen hinter die Kulissen blicken und vertrauen können. Heute erfahre ich mehr über die Agentur in Werbespots als über das Unternehmen. Darum ist Social Media so wichtig. Unternehmen müssen sich transparent machen wie Fußballvereine

  14. Dieter Meyeer said:

    @Eva Ihnenfeldt:Ziemlich interessanter Gedanke!aber …a) Sind Fußballvereine transparent? Das ist doch auch viel Image, Illusion, vorgespielter Fannähe, etc. Zirkus, Illusion.b) Können die meisten Firmen transparent werden? Also irgendein Luxus-Konzern zugeben, dass er seine Zigtausend Euro Taschen in Bangladesh für 1,80$ die Stunde zusammentackern lässt? Kann ein Nahrungsmittelkonzern zugeben, dass er seine Yoghurt Drops einmal für sich und einmal für Aldi herstellt?Klar, es gibt Branchen, die anders funktionieren (Biobranche), aber die werben auch schon anders.

  15. Thomas Koch said:

    @Eva @Dieter Doch, doch, Transparenz ist angesagt. Die Verbraucher wollen zunehmend wissen, was sie kaufen, woher es stammt, wie es hergestellt wird etc. Aber das sind keine Themen für einen TV-Spot (oder nur bedingt). Das gehört in eine Aufklärungskampagne. Social media sind dafür ideal…

  16. Ich bin ein ungebrochener Optimist. Bevor wir unseren Planeten zugrunde richten, werden wir umschwenken – und die Wirtschaft nimmt da nun mal eine zentrale Stellung ein. Transparenz ist der 1. Schritt zum Change, und ich wünsche mir Werbeagenturen, die Unternhemen auf diesem schwierigen Weg begleiten – genau dafür bilden wir Social Media Manager aus. Es wird!

  17. Marcus said:

    ich finde jeden zweiten satz haltlos.weil sich alle zeilen auf bauchreation beziehen.ich kann sehr genau sagen, wann, wie, wo werbung funktioniert hat. sie bzw. ihr erfolg ist nämlich messbar: durch tracking & ständige optimierung.weil im online-umfeld alles messbar ist. auch ideen.

  18. Ich dachte immer, Naivität nimmt im Alter ab. Im Grunde gibt Thomas Koch zu, dass er Kunden seit Jahrzehnten über den Tisch zieht. Was er dabei vergisst, ist: Selbst wenn es Rezepte gäbe, gibt es immer wieder Leute, die diese verkochen. Sorry für den Kalauer. Der Bauch unterscheidet den guten vom schlechten Koch. Nicht der Umfang, das Gefühl. Man muss den Fisch erahnen können im Bodensee. Nicht berechnen, wo er sich aufgrund der Durchlaufsgeschwindigkeit des Rheins und der Wassertemperatur befinden könnte. Oddrrrr!!!!

  19. ulkem said:

    Wie kann Werbung für Dinge Sinn machen, die selbst keinen Sinn machen geschweige denn niemanden interessieren? Scheiße bleibt scheiße, da kann man einfach keine sinnige Werbung für machen. Und Dinge, die von sich aus Nutzen haben, brauchen auch nicht mit irgendwelchen Werbekonzepten verbrähmt zu werden.Ergo: Werbung ist eine einzige Blase.

  20. Thomas Koch said:

    Drei Dinge hat meine Provokation ja doch gebracht: Eine Diskussion, die wir schon lange hätten führen sollen. Eine sehr lesenswerte Antwort von Hubertus von Lobenstein, deren Sichtweise schwer zu widersprechen ist. (Der allerdings zu den "Guten" zählt.) Und der Vorwurf, ich ziehe meine Kunden über den Tisch. Mein Fazit daraus: Ich schreibe weiter…

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