Tierfutter ist das neue “Print”…

Der Burda Verlag meldet für 2011 ein Umsatzplus von 26 Prozent. In Worten: sechsundzwanzigprozent. Burda – das sind die Leute in Offenburg und München, die Zeitschriften wie Bunte, Elle, Mein Schöner Garten und Focus herausbringen. Früher machten sie ihr Geld mit Schnittmustern, ihrer Druckerei und dem Verkauf von Zeitschriften und den Anzeigen darin. Heute ist das ganz anders.

Heute kommen 43% der Burda-Umsätze aus dem „Digitalen“: http://www.turi2.de/2012/03/26/heute2-burda-waechst-e-commerce-13311744/ Wer nun glaubt, das seien die Umsätze aus Online-Werbung (die mehr und mehr die klassischen Anzeigenerlöse verdrängen), sieht sich im Irrtum. Burda betreibt zwar auch bunte.de und focus.de, hat jedoch inzwischen den Tierfutterversender zooplus AG gekauft, der nun maßgeblich zum Umsatz beiträgt. Ebenso zum Burda-Reich gehören auch die Reiseseite HolidayCheck und die Singlebörse ElitePartner.

Die Axel Springer AG betreibt ihr Geschäft nicht anders. Ganz früher musste der Erfolg der BILD Zeitung die Geschicke des Konzerns fast im Alleingang lenken. Zum Springer-Rekordergebnis 2011 trug jedoch das „Digitale“ bereits mit einem Anteil von 31% bei. In den nächsten Jahren peilt man sogar einen 50%igen Anteil an. Denn zum Springer Konzern gehören längst auch Immonet, Stepstone und kaufDA.

Lediglich die Gebrüder Holtzbrinck (der eine verlegt WiWo und Handelsblatt) bewiesen nicht ganz das Geschick der Printkollegen und man will sich offenbar von seinen dahinsiechenden VZ-Netzwerken und auch von der Partnervermittlung Parship wieder trennen. Es ist ja schon erstaunlich, wie viel Geld und Energie die deutschen Verlage ausgerechnet in die digitale Liebe zu investieren bereit waren…

Bertelsmann (Gruner+Jahr: Stern, Brigitte und Co. plus RTL) ist nach dem frühen AOL-Desaster  vorsichtig geworden. Die Gütersloher dürstet es derzeit nicht nach Dating-Börsen. Dafür sind sie die einzige Mediengruppe mit einer substanziellen Investition im profitablen TV-Markt. Und das macht sie zu einer der größten Medienkonzerne der Welt.

Der Trend ist also klar. Mit Print allein ist nicht mehr genug Geld zu verdienen. Doch zum bilanziellen Ausgleich taugen die eher verlustträchtigen Werbeplätze der eigenen Online-Websites kaum. Dazu muss man schon diversifizieren. Notfalls in Tierfutter.

Ob sich die Gründer-Väter Senator Burda und Axel Springer so die Zukunft ihrer Medienhäuser vorgestellt haben? Wahrscheinlich nicht. Allerdings konnten sie keine Ahnung haben, wie das Internet die (Medien-) Welt verändern würde. Und sie waren schließlich nur leidenschaftliche Journalisten, aber keine Geschäftsleute.

Und ist es nicht erfreulich, dass die deutschen Verlage ins Internet investieren, wenn ihnen die steigenden Umsätze und Gewinne daraus ermöglichen, ihre Printobjekte trotz sinkender Umsätze und Gewinne weiterzuführen? Die Print-Redakteure werden es ihnen danken. Ebenso wie Millionen treuer Leser von Bunte, Stern und BILD.

Mit Sicherheit sind die Mergers & Acquisitions-Profis der deutschen Printverlage längst wieder ausgeschwärmt – auf der Suche nach neuen, lukrativen Online-Angeboten, mit denen sie ihr Portfolio erweitern könnten. Und ihre Umsätze. Und vor allem, wie es scheint, ihre Online-Umsatzanteile. Es ist interessant zu beobachten, wie die Großverlage immer neue Online-Anteilsziele – erst 25%, nun schon 50%, bald 75%? – ins Visier nehmen. Schade nur, dass der Eindruck überwiegt, sie glaubten nicht mehr so recht an ihre ehemaligen Print cash-cows…

Dazu werden sie aber mehr als nur Immobilien-Portale und Futterversender übernehmen müssen. Was folgt? Twitter? Viel zu teuer. Senioren-Dating? Abfall-Kalender-Portale? Botox-Versender?

Ich ahne, was stattdessen passieren wird. Nämlich das, was allen Konzernen ereilte, die übermäßig in artfremde Bereiche diversifizierten: Es kommt der Tag, an dem sie zurückrudern. Sich – wie jetzt Holtzbrinck – von immer mehr Online-Inventar wieder trennen. In ihren Pressemitteilungen werden wir lesen, dass man beabsichtige, sich wieder auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren. Wie oft haben wir das in den letzten Jahren gelesen? Hundertfach…

Und es werden DIE Verlagskonzerne glücklich in die Zukunft schauen, die gesunde, zeitgemäße und innovative Print-Objekte in ihrem Noch-Portfolio vorfinden. DIE Investition hätte sich dann wenigstens gelohnt.

 

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