Können Agenturen überhaupt Werbung?

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

Wenn man Werbeagenturen fragt, was sie tun, um mit ihren potentiellen Kunden zu kommunizieren, um sich zu positionieren, um ihre Stimme im Markt zu erheben, bekommt man durchaus unterhaltsame Antworten.

Die häufigste Antwort lautet: Wir machen regelmäßig Aussendungen und verschicken unsere Agenturbroschüre. Viele noch mit der Schneckenpost, manche zunehmend online. Diese Agenturen lade ich herzlich ein, sich einen Blick in die abendlichen Mülleimer der deutschen Marketingchefs zu gönnen. Aber erst, wenn sie vorher einen Blick in die Mülleimer der Vorzimmer-Assistentinnen geworfen haben. Ach ja, es gibt übrigens auch Mülleimer in Rechnern, wenn‘s der Spam-Ordner mal nicht schon vorher aussortiert hat.

Dann gibt es ein paar Dutzend Agenturen, die antworten, dass ihre Punkte in den Kreativrankings genug Werbung seien und alleine schon für Bekanntheit und Nachfrage sorgten. Wieso nur so wenige? Weil mehr Agenturen in den Kreativrankings gar nicht vorkommen…

Und natürlich verschicken die Werbeagenturen täglich Dutzende von PR-Meldungen an die Fachmedien. Wie viele davon veröffentlicht werden, ist wöchentlich leicht nachprüfbar.

Viel mehr haben die deutschen Werbeagenturen nicht an Antworten parat. Das hat mich schon immer erstaunt. Wo man doch eigentlich unterstellen sollte, dass die deutschen Agenturen ihr Handwerk, die Kommunikation, beherrschen.

Ein Blick auf die Ausgangslage verrät, dass es in Deutschland um die 12.000 Werbeagenturen gibt. Und jährlich kommen 100 neue dazu. Grenzen wir nur die ein, die sich im tatsächlichen Wettbewerb um die mittleren bis größeren Kundenetats befinden, dann verbleiben immerhin noch 1.000 Agenturen. Sie alle balgen sich um die nennenswerten 250 Etatwechsel, die es alljährlich in die Presse schaffen.

Ihren Kunden empfehlen sie Markenwerbung. Schließlich müsse man sich gegen die acht, neun oder zehn Wettbewerber deutlich abgrenzen, die Marke in der Zielgruppe bekannt machen, den eigenen USP oder Claim in den Köpfen verankern. Und, und, und, bla, bla, bla… Die Agenturen halten diesen Weg für unverzichtbar. Ebenso wie sie es für unverzichtbar halten, dass ihre Kunden dabei ein Vermögen in B2C- und B2B-Mediawerbung investieren.

Und selbst? Wenn ihre Kunden sich gegen eine Handvoll Wettbewerber durchsetzen müssen, erfordert es Investitionen in Millionenhöhe. Wenn sie sich selbst gegen hunderte Wettbewerber durchsetzen müssen, dann reicht plötzlich etwas PR und Direct Marketing. Interessant.

Diese Agenturen würden Augen machen, wenn ihre Kunden auf die Idee kämen, es ihnen gleich zu tun. Also auf klassische Werbung zu verzichten. Ein bisschen PR und den Rest erledigen die Tester von Stiftung Warentest. Und zwar mit dem Argument, dass es nicht falsch sein kann, die Kommunikationsstrategien der Agenturen zu kopieren. Wer, bitte, versteht von diesem Geschäft mehr als die Agenturen selbst?

Halt. Muss nicht jede Werbeagentur eine Marke sein? Muss sie sich dann nicht auch wie eine Marke verhalten? Sich bekannt machen? Ihre Positionierung und Fähigkeiten kommunizieren? Nachfrage nach ihrer uniquen Dienstleistung erzeugen? Offenbar nicht…

Das ist so unprofessionell wie die meisten Credentials der Werbeagenturen, von denen ich einige hundert gesehen habe. Mit deren Hilfe sie dem potentiellen Kunden stolz ihre bisherigen Arbeiten präsentieren. Häufig genug (wenn man genau hinschaut) Arbeiten, die mit völlig anderen Teams in Vorzeiten entstanden sind. Kann der werte Noch-Nicht-Kunde daraus ablesen, ob diese Agentur seine individuelle Aufgabe zu meistern imstande ist? Natürlich nicht…

Irgendetwas machen die Agenturen hier falsch. Und zwar grundlegend. Unter völliger Missachtung allen Wissens, das sie (angeblich) über Kommunikation, über ihr Ur-Geschäft gesammelt haben.

Nicht alle. Einige trauen sich sogar ins Social Web. Allerdings bewertet ein Blogpost kürzlich das Auftreten von fünf großen Agenturen mit der Überschrift „Können oder wollen sie nicht?“: http://www.logolook.de/2011/07/werbeagenturen-und-die-vernetzung-sozialer-profile-konnen-oder-wollen-sie-nicht/ Zugegeben, aller Anfang ist schwer.

Wenigstens hat ein Agenturchef, Hubertus von Lobenstein (heute Aimaq von Lobenstein), die Kraft des Blogs verstanden. Seine jedesmal inspirierenden Posts werden von Tausenden gelesen. Und haben ihm eine Vorreiterrolle verschafft, um die ihn sicher viele beneiden.

Und eine Werbeagentur, „achtung“ in Hamburg, macht derzeit regelrecht Furore mit Videos auf YouTube – mit Statements des Agenturchefs, Mirko Kaminksi und einem Recruiting Film. Die sie fleißig via Facebook und Twitter verlinken und freudig zusehen, wie hunderte Meinungsbildner (!) ihre Filme weiterverlinken. Wenigstens hat eine Agentur verstanden, wie einfach sie hier eine Alleinstellung für sich erzeugen kann. Allerdings bezeichnen sie sich selbst weder als PR-, noch als Werbeagentur. Auch das ist schlau. Schlauer jedenfalls als die übrigen 950 Agenturen, die gar nichts zu kommunizieren wissen.

Was sollen die Werbeagenturen denn machen? Etwa eine Kampagne? Für sich? Für ihre eigene Agentur? Gott bewahre. Doch nicht etwa Anzeigen. Oder Banner. Nein, das ist völlig unmöglich. Denn dazu müssten sie ja das Geheimnis um ihre Positionierung lüften. Sie müssten in eindrucksvollen Worten sagen oder demonstrieren, was sie von allen anderen Agenturen unterscheidet. Und ihren potentiellen Kunden einen „Reason Why“ an die Hand geben, um ihre Arbeit begehrlich zu machen.

Wissen Sie, warum wir so wenig Werbung von Agenturen sehen? Da Sie mich längst verstanden haben, brauche hier nicht allzu deutliche Worte darüber zu verlieren. Lassen Sie es mich so sagen: Weil sie keine Werbung können.

So, jetzt will ich aber nichts mehr hören. Dass es so schwer ist, Neukunden zu gewinnen. So schwer geworden ist, Kunden langfristig zu halten. Dass sie so schlecht zahlen. Oder dass im Wettbewerb mit immer härteren Bandagen gekämpft wird. Nichts davon will ich mehr hören…

Advertisements
20 comments
  1. hubertus von lobenstein said:

    Lieber Thomas,erstens hast du wie immer recht!! Zweitens bedanke ich mich für die Blumen (allerdings kann ich den Artikel jetzt nicht weiterposten, weil das nach Eigenlob riecht….;-)). Drittens muß man fairerweise erwähnen, daß so mancher Positionierungsversuch einer Agentur bereits durch Häme und Spott der Branche im Vorfeld erstickt wurde. In unserer Branche hackt eben jede Krähe gern auf der anderen herum. Frei nach dem Motto: "Wenn mir schon nichts einfällt, dann finde ich deine Idee wenigstens gleich öffentlich schlecht…"

  2. kl.aus said:

    Lieber Herr Lobenstein,der Artikel wurde ja weiter gepostet, bei ihnen auf Facebook… Aber eventuell sollte man es ja auch nicht Eigenlob nennen sondern Werbung in eigener Sache… ;-)mfgKL.aus

  3. Guter und lebensnaher Text, wenn ich mir die Bermerkung gestatten darf. Klarheit, "Grip", unternemerische Verantwortung und ein enger Realitätsbezug im Umgang mit Erfolgen und Misserfolgen gehören auch nicht zu den jahrelangen kulturellen Kernkompetenzen der Branche. Da ist vieles über Jahrzehnte gewohnt lebensfern, bindungsarm und letztlich professionell deformiert. Da erhält der Wert des Titels auf der Vistenkarte schon gerne mal eine höhere Bedeutung als die Kraft desjenigen, der sie trägt:Zeit für Veränderung….

  4. Christopher Lesko said:

    Guter und lebensnaher Text, wenn ich mir die Bermerkung gestatten darf. Klarheit, "Grip", unternemerische Verantwortung und ein enger Realitätsbezug im Umgang mit Erfolgen und Misserfolgen gehören auch nicht zu den jahrelangen kulturellen Kernkompetenzen der Branche. Da ist vieles über Jahrzehnte gewohnt lebensfern, bindungsarm und letztlich professionell deformiert. Da erhält der Wert des Titels auf der Vistenkarte schon gerne mal eine höhere Bedeutung als die Kraft desjenigen, der sie trägt:Zeit für Veränderung….

  5. hubertus von lobenstein said:

    @KL.aus: Ich konnte mich nicht zurückhalten….Schönes Wochenende!

  6. Michael Enzenauer said:

    Ach so! Und ich dachte immer, Werbeagenturen werben für sich einfach mit möglichst guten Kampagen! Wenn ich Deine Gedanken, lieber Thomas, richtig verstehe – ich habe den Text jetzt vier Mal gelesen – meinst Du: Mehr Social Media! Werben sollen sie ja nicht …@Thomas: Ich hab da mal zwei Fragen: 1.) Was ist eigentlich Social Media? 2.) Was unterscheidet Blogs eigentlich von PR?Freu mich auf Dein Feedback! HGM

  7. Wenn man sich vor Augen führt, was INDUKOM mit seinem Triple A http://www.indukom.de/AAA.asp über die Jahre gemacht hat, kann man daran zwei Fakten festmachen: die Agenturen, die daraus etwas lernen wollten, konnten es auch – über die Jahre war eine deutliche ‘erzieherische’ Wirkung spürbar. Aber offensichtlich gab es zu wenig Agenturen, die sich offen zu Eigenwerbung in einem Wettbewerb stellen wollten (oder können). Also volle Bestätigung, lieber Thomas Koch! ‘Schuster haben die schlechsten Schuhe!’ Wenn sich Agenturen nicht endlich damit auseinandersetzen, für was Sie wirklich stehen wollen – also eine Marke zu sein – werden sie sich immer über irgendwelche mehr oder weniger geglückte Credentials positionieren. In Ermangelung eigener Position. Vielleicht gelingt es uns unter unserer neuen Marke ja mehr Agenturen für ihre Eigenwerbung zu begeistern! Sie sind gerne eingeladen, sich daran zu beteiligen! LG MST

  8. Thomas Koch said:

    Lieber Hubertus, bist du nett und nennst ein Beispiel für eine Agentur-Positionierung, die mit Häme und Spott überzogen wurde. Gern ohne Namen. Würde mich sehr interessieren…

  9. hubertus von lobenstein said:

    Prominentestes jüngstes Beispiel: Amir Kassaei und sein Feldzug in Sachen Markenführungskompetenz….

  10. Michael Stocker said:

    auch wenn ich an der Stelle nicht gefragt bin: Grundsätzlich kann man nur feststellen, das Agenturen so gut wie keine Konkurrenz-Beobachtung betreiben. Häme oder Spott ist m. E. daher immer auf die Personen bezogen – nie auf die Corporate Message (lasse mich gerne auch vom Gegenteil überzeugen – Beispiele?) Amir ist da mit seiner ausgeprägten Social Media Mitteilsamkeit ein sehr schönes Beispiel. Man kann sich auch nach NY bloggen/posten/twittern. Und: so weit ich das nachvollziehen und einschätzen kann, waren das immer persönliche Posts (ist ja der v. Lobenstien Blog auch). Echte ‘Corporate SM Communication’ machen Amir und Hubertus ja auch nicht. Die Häme und der Spott kommen also immer von Personen – eine Corporate wird dies wohl nur tun, wenn sie direkt angegriffen wird. Und die Agentur, die das professionell leistet, will ich sehen.@Hubertus: ist das alles? http://www.asberlin.com/

  11. hubertus von lobenstein said:

    @ Michael: Ist das alles???? Aber natürlich stimmt es, daß Spott von Personen und nicht von Corporate kommt. Aber verkörpern diese Personen in dem Moment nicht Corporate?

  12. Thomas Koch said:

    Amir Kaasaei lasse ich gern als Beispiel gelten. Die Umwelt reagiert immer etwas "verstört", wenn jemand neue Wege geht. Ich gebe zu, ich finde den Weg richtig. Mit "Warum Wippt Der Fuß?" machen wir etwas sehr ähnliches. Und merken auch: Aller Anfang ist schwer. Dennoch habe ich den Eindruck, dass Amirs Ansatz von seinen Kunden noch nicht goutiert wird. Oder liege ich da falsch? Wie auch immer. Die Werbeagenturen müssen dringend neue Wege gehen. Sie müssen förmlich eine Revolution ausrufen. Und die ersten, die es versuchen, holen sich halt erstmal eine blutige Nase. Aber sie haben die Nase vorn…

  13. Thomas Koch said:

    @Michael Enzenauer, du hast die Ironie meines Textes nicht ganz verstanden. Natürlich sollen die Agenturen werben. Gern klassisch, gern mithilfe der Social Media. Weil ihre Kampagnen eben kein Beweis dafür sind, dass sie imstande sind, das Kommunikationsproblem des nächsten Kunden tatsächlich zu lösen. Und da ist eine Positionierung extrem hilfreich. Das gilt übrigens auch für Mediaagenturen. Zu deinen Fragen: Social Media ist eine offene Kommunikationsplattform, wie es die klassischen Medien nie haben sein können. Und Blogs sind, anders als PR, eine öffentliche Diskussionsplattform, wie dieser Post eindrucksvoll beweist. Probier’s einfach mal aus…

  14. berndigl said:

    Meine respektvolle Zustimmung zum Thema.Kurze Kritik nur zum TK-Ironie-Einleitungssatz zur ME-Antwort:Habe verinnerlicht, dass die direkte Zuweisung eines (auch reduzierten) Negativums, hier am Bsp. "hast nicht (ganz) verstanden" sehr, sehr oft – die sicherlich ambitionierte Absicht – untergräbt.Also lieber ME, der von mir geschätzte TK meint bestimmt, dass er seine ironisch getextete Abhandlung nicht verständlich, pointiert genug veröffentlicht hat.Vielleicht ists sogar Selbstironie – Wikipedia und ich weiß, dass ich nichts weiß.

  15. Michael Stocker said:

    @Hubertus: das "ist das alles" muss ich natürlich revidieren. Auf dem iPad war bei der Startseite allerdings Schluss – daher hatte ich mich gewundert. Nach dem Besuch eurer Seite mit dem MacBook habe ich natürlich einen anderen Eindruck. Da haben wir doch eine Agentur mit Positionierung und sogar einem Manifest. Macht ihr damit auch Werbung? Also für die Marke "Aimaq von Lobenstein". Oder beschränkt sich die Kommunikation der Marke auf den Internet-Auftritt? Hinsichtlich der ganzen Post und Blogs von Amir, Mirko, Björn,Hubertus etc kann ich nur feststellen: alles persönliche Geschichten. Keiner tritt als Unternehmensmarke auf und so bleibt natürlich nur wieder der Transfer von der Persönlichkeit auf das eigene Unternehmen. Das hilft natürlich auch nur bedingt. Person und Unternehmen sind ja nie kongruent als Marke, auch wenn es der Inhaber der Agentur ist, der da kommuniziert. Natürlich ist das Agentur-Business auch ein Peoples Business – wenn dies jedoch im Vordergrund steht, steht und fällt das Geschäft mit den Identifikationspersonen – und eine Entwicklung ist stark limitiert. Es gibt nur weinige Beispiele Inhaber geführter Agenturen (die ich kenne), die es tatsächlich geschafft haben, eine Agentur-Marke zu werden, die nicht mehr unmittelbar mit den Inhabern zusammenhängt – das ist doch die eigentliche Management-Aufgabe! Und dazu braucht es eine saubere Positionierung – und daraus abgeleitet auch eine entsprechende Kommunikation, die auch auf Werbung nicht verzichten kann. Dann wird aus einer "Kreativschmiede" ein echtes Unternehmen, das auch ohne die handelnden Personen einen Wert hat. Serviceplan und JvM würden auch ohne Haller und Jung, von Matt starke Agenturmarken bleiben.

  16. Elke Behrendt said:

    Und gerade weil ich nicht die klassische Werberin bin….., so habe ich 4 Jahre S&J als Assistentin von Reinhard Springer und später von Hubertus von Lobenstein auf dem Buckel. Außerdem 14 Jahre Saatchi & Saatchi. Heute Trainerin für Wahrnehmung und Kommunikation. Damals war ich eine absolute Quereinsteigerin in der Werbung und heute weiß ich, dass ich S&J mehr als nur die „Werbererfahrung“ zu verdanken habe. Springer & Jacoby (ich war bis 1994 dort) aus meiner Sicht heute eine AGENTUR-MARKE! Eine Marke, die durch die Inhaber entstanden ist, stark geprägt wurde und aber nachweislich von ALLEN Mitarbeitern durchgängig mit absoluter Begeisterung bis zum Empfang gelebt wurde. Und wir oftmals ganz froh waren, wenn sich Reini nicht mehr all zu sehr einmischte! Und ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe am Empfang angefangen und nach 4 Monaten den Agenturpreis erhalten. Und ich weiß heute mehr den je warum? Durch authentisches Auftreten und Handeln ohne endlose lange Anträge zu stellen und große Wege zu gehen. Machen. Weil das VERTRAUEN da war. Die Kommunikation bei S&J hörte nicht in Management Meetings auf, sondern zog sich voller Empathie geleitet durch die Agentur durch. Jeder hatte das Gefühl ein wichtiger Teil des Ganzen zu sein. Heute stirbt die Unternehmenskultur und durchaus auch die Positionierung einer Agentur aus, wenn eine Führungsperson, die mit Leidenschaft die Mitarbeiter mit auf den Weg genommen hat, die Agentur verlässt (und der Neugeschäftskontakt, der von dieser Person gepflegt wurde geht gleich mit).Und dann wird das Feld wieder von einer anderen Seite aufgerollt. Neupositionierung! Und keiner der Mitarbeiter weiß eigentlich so wirklich, was das (neue) Ziel ist und welchen Weg die Agentur einschlägt. „Hühh“ und „Hott“ intern und so auch KEINE KLARE POSITIONIERUNG nach draußen. Die Mitarbeiter sind die Markenbotschafter des Unternehmens und wenn die nicht auch emotional abgeholt werden, eingebunden werden, begeistert sind von dem was sie tun, das gemeinsame Ziel kennen, dann frage ich mich, wie eine den Kunden begeisternde Werbung entstehen soll. Oder wird ein Handball- oder Fußballspiel durch den Spielführer gewonnen, wenn alle anderen Teammitglieder als Einzelkämpfer wild durch die Gegend laufen….dem einen reicht das 0:0, der andere möchte 2:0 gewinnen und der dritte möchte einfach nur mal zum Einsatz kommen, weil er entdeckt werden möchte. NEVER ever! Ach ja, warum trafen sich spontan hunderte ehemalige S&J Mitarbeiter, um gemeinsam ein „wie früher“ S&J Sommerfest zu feiern, obwohl es die Firma nicht mehr gibt. Übrigens über Facebook organisiert. Warum sagen viele, dass S&J für sie eine Ersatzfamilie war? Warum tragen viele namhafte Personen heute Teile der Philosophie in ihr Unternehmen und warum war die Trauer so groß? Bestimmt nicht, weil das Gehalt so hoch war! Warum verbinden wir nicht das, was gut war und noch heute nachweislich gut ist, tja, aus meiner Sicht besser den je, mit den „neuen Wegen“? Ach ja, was nach 1994 passierte, das müssen andere durchleuchten

  17. Thomas Koch said:

    @Elke Behrendt: Danke für die Ausführlichkeit. S&J ist tatsächlich eine der letzten wahren Agenturmarken. Sogar eine Agentur-Ikone. Ich kenne Reini und Konstantin sehr gut, denn sie sind GGK-Gewächse und dort hatte ich das Vergnügen, eng mit ihnen zusammenzuarbeiten. Keine Zeit hat mich mehr geprägt als die GGK-Zeit. Aber zurück zur Gegenwart. Nach S&J kam JvM und vielleicht Heimat, die beide neue Impulse in den Agenturmarkt brachten. Aber wo sind heute die vielen S&J-Jünger, die imstande wären, den Agenturmarkt zu revolutionieren? S&J hat großartige Kreative und eine nachahmenswerte Agenturkultur hervorgebracht, aber offenbar – und anders als die GGK – zu wenige Unternehmerpersönlichkeiten. Und die werden heute dringender denn je gebraucht…

  18. Elke Behrendt said:

    Ich freue mich weiterhin von Ihnen zu hören. Unternehmenspersönlichkeiten…..das frage ich mich schon lange. Ich habe den Eindruck, dass die meisten ihre Persönlichkeit, wenn je eine vorhanden war, spätestens in einer Netzwerkagentur abgeben. Zahlen, Daten, Fakten gewinnen an Macht und der eigene persönliche Antrieb, mich für meine antreibenden Werte einzusetzen, meinen Emotionen, die nachweislich der eigentliche Antrieb sind, meine Aufmerksamkeit zu schenken – geht komplett verloren. Der Glaube, dass ich mit Titel geschmückt, eine große Rede haltend vor großem Publikum mich zur Persönlichkeit entwickelt habe ist meines Erachtens ein Trugschluss. Und ADC Auszeichnungen sind in der Außenwirkung sicherlich für das Team und das Unternehmen wichtig, liefern aber auch noch keine Unternehmenspersönlichkeit und keine gelebte Kultur. Kurzfristig gedacht.Ich denke, dass es zu viele Menschen in Führungspositionen gibt, die einfach nicht in der Lage sind Menschen zu führen, sie zu begeistern, ihren Bedürfnissen zu entsprechen. Weder intern, noch beim Kunden. Eigentlich Angst getrieben. Sie waren halt "dran". Immer die Wurst, den Erfolg vor Augen. Zu wenig! Aus dem "Heringsschwarm" auszubrechen erfordert MUT. MUT für ein TEAM, das gemeinsam andere wiederum ansteckt, begeistert und mitreißt. Die Angst scheint dominant, sich eine blutige Nase zu holen. Und gerade die ist es aber, die einen Menschen mehr den je über sich hinauswachsen lässt. Leider gibt es eine Menge junge Persönlichkeiten, denen ich eine andere Führung, ein anderes Auftreten zutraue, die aber, allein gelassen sich genauso anpassen wie alle anderen auch. Sie schaffen es nicht und landen schlimmstenfalls im Burn out. Erstaunlicherweise hörte ich aus dem Mund vieler namhafter Menschen, die mal bei S&J ihre Kinderstube hatten, dass dies ihre wichtigste Zeit im Leben war. Ich hörte "Elternersatz" in der Erziehung und dann, genau wie Sie es sagen……sie fallen um, erinnern sich nicht an das, was sie damals zur Höchstleistung getrieben hat und sie auch auszeichnete. Ist es etwa nicht "cool" genug durchaus auch mal das Bewährte wieder zu aktivieren? Die Mode heute ähnelt mehr denn je der von früher. Farben, Formen, Stilrichtungen wiederholen sich. Warum nicht die alten Persönlichkeiten gepaart mit jungen, noch im Entwicklungsprozess steckenden Unternehmerpersönlichkeiten: Für die Zukunft aufbauen. Erst wenn die "Jünger" wie Sie es nennen, erfahren, erleben, dass die alten Wirkungsmittel gerade heute wieder ihre Wirkung zeigen, werden Sie diesen Weg selbstverständlich erfolgversprechend weiterverfolgen. Es Bedarf meines Erachtens der RÜCKENDECKUNG bis zum Einsetzen des neuen Erfolges. Denn das "Hacken" auf den "anders Denkenden und Handelnden" ist gerade in der Werbeszene groß. Und das scheint heute keiner mehr auszuhalten. Wir können uns heute unter der Flut von Informationen und "have to" weniger denn je auf das Wesentliche konzentrieren. Und wenn wir das Ziel nur "halbherzig, mit wenig Zeit usw." uns vor Augen halten, dann werden wir mehr denn je zum austauschbaren Hamster im Rad ohne "Persönlichkeit". MUT! ÜBERZEUGUNG! und UNTERSTÜTZUNG.

  19. Thomas Koch said:

    Ich erlebe im Augenblick relativ viele Menschen, die die Network-Agenturen (sowohl Kreativ- als auch Media-Agenturen) verlassen, weil ihnen der alleinige Blick auf das nächste Quartalsergebnis nicht ausreicht. Weil dieser Druck höchstens burn-out erzeugt. Und ihnen diese Agenturen nicht genügend Spielraum zur Entfaltung – zum Beispiel ihrer Persönlichkeit – bieten. Vielleicht ist Deutschland und seine Agenturen noch nicht ganz verloren. Schön wär’s…

  20. Elke Behrendt said:

    Ja. Definitiv. Wichtig ist es nur, dass "erkannt wird", dass es nicht unbedingt die GROSSEN, namhaften Agenturen sind, auf die nur all zu oft zuerst geschielt wird. Namen, deren Glanz schon lange nicht mehr der ist. Sie haben die Etats, die sie mal betreut haben, oftmals noch immer auf ihren Listen stehen oder packen sie bei Neugeschäftsakquisitionen wieder aus, reden noch immer darüber im Hinblick auf die Außenwerbung, nur die Menschen, die diese Etats erfolgreich betreut haben, gibt es schon lange nicht mehr in diesen Agenturen. Weil man es nicht mal für nötig gehalten hat, sie weiterhin erfolgreich an das Unternehmen zu binden. Ex und hopp! Abgeliefert und Tschüss. Ich hoffe, dass es mehr Menschen, auch in namhaften großen Wirtschaftsunternehmen gibt, die den MUT haben, auch kleinen, kreativen Agenturen, nämlich durchaus genau die, die die großen Etats in großen Agenturen erfolgreich betreut haben, eine Chance geben, hinschauen und auch den Wert der zwischenmenschlichen Kommunikation, der Kultur schätzen. Die Leistung kann niemand mehr in Frage stellen. Die wurde bei vielen schon lange Jahre unter anderem Namen, anderer Fassade, geliefert. Hinter die Fassade schauen! Und andere Wege gehen….Hin zur anerkennenden,wertschätzenden Kommunikation und die daraus folgende erfolgreiche, kreative, spielerische Leistung. Ein Mehrwert für den Mitarbeiter, das Unternehmen und den Kunden.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: