“E” wie einfach…

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eMagazinDesign, ePublishing, eProspekte, eKioske, eMedien. Unsere Medienwelt wird digital. Elektronisch. Aber auch elektrisierend? Und: Und wofür steht das „e“? Wirklich für „E wie einfach“?

Immer wieder entstehen Geschäftsmodelle (wie kaufDA), die so einfach klingen, dass man sich fragt, warum man nicht selbst auf die Idee gekommen ist. Und wenn nun die Verleger hoffen, dass Tablets die Printbranche retten (was Unfug ist, weil das Geschäftsmodell noch nichts taugt), dann schießen die eDienstleister wie Pilze aus dem Boden und rufen selbstbewusst: „Wir können was, was ihr nicht könnt.“

Es sieht so aus, als passierte das Unvermeidliche: Die digitale Welt löst die analoge ab. Wenn es nach dem Internet geht, wird Print das erste Medium, besser gesagt, die erste Plattform in der Mediengeschichte sein, die von der Bildfläche verschwindet. Aber bitte plötzlich.

Genau das wird nicht passieren. Nicht in den nächsten Jahren, die für die wirtschaftliche Existenz der neuen eMedien, ePlattformen und eDienstleister jedoch von existentieller Bedeutung sein werden. Denn Digital Stand-Alones bleiben vorerst Homöopathie.

Die Auflagen der Zeitungen und Zeitschriften sind zwar in den letzten zehn Jahren signifikant gesunken. Die Reichweiten jedoch nicht in halbwegs gleichem Umfang. Das heißt, die Menschen lesen weiter. Sie lesen anders, sie teilen sich die Medien – und Print erhält standfest sein Reichweiteniveau. Dieses Phänomen ist nicht ganz belanglos.

Die Auflagen werden weiter sinken. Nach meiner Auffassung um weitere 25% in den nächsten drei bis fünf Jahren. Erst ab 2015 dürfte sich der Auflagenrückgang verlangsamen. Die dann noch verbleibenden 3/4 der heutigen Auflagen werden jedoch die wertvollsten sein, die Print je hatte. Denn dahinter stehen die Menschen, die Print kaufen, obwohl (oder weil) es das Internet gibt. Und das werden keinesfalls senile und debile Hartz-IV-Empfänger sein. Sondern Leser der Zeit, der FaS, von brand eins und Landlust… Es wird die kaufkräftige Mittel- und Oberschicht sein, die sich mit Print „schmückt“. Quasi eine Zwei-Klassen-Medien-Gesellschaft.

Zurück aber zur Reichweite. Denn sie ist es, die den „eAngeboten“ im digitalen Markt fehlt. Digital gibt es vor allem ein Überangebot. Jedes Geschäftsmodell ist innerhalb weniger Wochen kopierbar. Jede Idee ist innerhalb kürzester Zeit kopierbar, austauschbar und verwechselbar. Und wenn eine wirklich sensationelle Idee aufkommt, steht sie sofort im Wettbewerb mit der Post und Telekom, mit Google, Apple, Microsoft, Amazon, Ebay, Bertelsmann und Vodafone.

Jeder weltweite Konzern, der jederzeit Milliarden investieren kann, kämpft plötzlich auf einstmals fremden Märkten gegen jeden. Die Wettbewerbsgrenzen sind aufgehoben. ProSiebenSAT1 muss YouTube, AppleTV und GoogleTV fürchten, die Verleger fürchten die Post und die Post fürchtet kaufDA. Pubbles muss Amazon fürchten. Und umgekehrt.

Eine solche Wettbewerbssituation auf den Binnen- und Weltmärkten hat es noch nie gegeben. Jeder wildert im Markt des anderen. Es wird viel Geld eingeworfen – und viel Geld vernichtet. Da wäre mancher lieber Beobachter als Akteur.

Oder vielleicht sogar lieber Verleger? Im Wissen, dass fast alles, was als „eVersion“ und „eLösung“ auf den Markt kommt, einen Print-Ursprung hat: Ohne Prospekte kein kaufDA. Ohne Bücher, Zeitungen und Zeitschriften-„Marken“ kein pubbles, kein mag+ und kein Mag10.

Wenn zwar 80% der Deutschen online sind (davon jedoch nur 40% nennenswert aktiv) – aber 80% weiterhin Printprodukte nutzen und lieben, dann sind den „e’s“ dieser Welt erst einmal natürliche Grenzen gesetzt. Der Reichweitenvorsprung von Print bleibt gewaltig.

Haben Sie schon mal jemand im Supermarkt mit dem iPad unterm Arm einkaufen sehen? Nein, aber mit einem Prospekt. Haben Sie schon mal jemand am Strand oder Pool mit einem eBook gesehen? Haben Sie sich schon einmal darüber gewundert, dass die TV-Nutzung – trotz Digital-Receiver, VoD und Mediatheken – steigt? Jemand hat einmal gesagt: „Die digitalen Medien haben erst dann gewonnen, wenn der letzte Bauarbeiter ohne BILD Zeitung aufs Dixi-Klo geht.“

Unsere Medienwelt wird digital. Keine Frage. Aber Print bleibt. Es ist Print, das neue, digitale Geschäftsfelder erzeugt. Und Print weist sie gleichzeitig in die Schranken. Brave New World…

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1 comment
  1. Thomas Koch said:

    @ThomasKnüwer, ich kenne sogar jemand, der tatsächlich mit dem iPad bewaffnet in den Supermarkt einkaufen geht. Es ging mir hier bewusst natürlich um eine Provokation. Also aufzuzeigen, dass die Masse der Bevölkerung (die ja Zielgruppe der FMCGs und des Handels ist) noch sehr lange via Print – und zwar überwiegend via Print – zu erreichen sein wird.

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