Wieso “ufomedia”? Das Outing.

 Ich finde, es ist an der Zeit, das Geheimnis um meine Person und Herkunft zu lüften. Die Branche hat es verdient, endlich zu erfahren, wer ich wirklich bin.

Liebe Erdlinge! Mein wirklicher Name ist ASHTAR. Ich stamme aus einer sehr fernen und euch fremden Welt. Die allererste Frage, die mir immer wieder gestellt wird, ist woher ich genau komme. Diese Frage scheint euch Erdenbewohner irgendwie am meisten zu faszinieren. Nun gut: Ich komme von einem Planeten im Sternbild Pisces, also Fische. Wir nennen ihn „Median“. Unsere Sonne kennt ihr: Sie hat auf eurer Erde die Bezeichnung RA2131.96. So, das wäre geklärt.

Wir Medianer beobachten die Erde schon recht lange. Und es ist eine besondere Ehre für uns, wenn wir ausgewählt werden, unter euch zu leben. Wir sind Beobachter, dürfen also nur im äußersten Notfall ins Geschehen eingreifen und reporten regelmäßig an unser intergalaktisches Hauptquartier. Das kennt ihr ja. Das ist bei uns auch nicht anders. Damit hören die Ähnlichkeiten aber schon auf…

Je nach Talent werden wir auserwählt, um bei euch bestimmte Berufe zu ergreifen. Da es bei uns keine Mediaplaner gibt (dazu gleich mehr), ist mir bis heute nicht klar, warum ich ausgerechnet für diesen irdischen Job auserwählt wurde. Zumal ich im Umgang mit Zahlen nie der Beste war. Auf unserem Planeten bin ich eher der „enfant terrible“… Aber egal. Hauptsache, ich hatte den Job. Denn es war immer mein Traum, eine Zeitlang bei euch zu leben.

Wenn ihr euch fragt, ob ich meinen Heimatplaneten nicht vermisse, kann ich euch beruhigen. Wir leben nämlich erheblich länger als ihr. Nach eurer Zeitrechnung werden wir viele hundert Jahre alt. Was euch also wie ein ganzes Erdenleben vorkommt, ist für mich wie ein Sabatical.

Bevor ich jetzt erzähle, was ich in meinem vorläufigen Bericht nach Hause reporte (ich liebe diesen Ausdruck!), müsst ihr wissen, dass bei uns vieles – eigentlich alles – anders ist.

Wir kommunizieren per Gedankenübertragung. Das macht manches einfacher als hier auf der Erde. Wir brauchen deshalb bei uns zum Beispiel keine Mediaplaner. Denn die Botschaften, die wir auf Median kommerziell per Gedanken verschicken, werden ohnehin nur von denen empfangen, für die diese Botschaft im Augenblick relevant ist. So etwas wie Streuverlust kennen wir nicht. Super, oder?

Im Vorfeld unserer „Media“-Arbeit brauchen wir nur unsere Insight-Generatoren. Sie scannen die Wünsche und Bedürfnisse unserer Mit-Medianer – aber natürlich nur solche, die permittet wurden. Da ihr gerade erst angefangen habt, euch über die Bedeutung von Consumer Insights und Targeting Gedanken zu machen, würde ich euch arg überfordern, wenn ich hier weiter in die Tiefe ginge…

Ihr braucht, im Gegensatz zu uns, geradezu vorsintflutliche Wortgebilde für eure Verständigung. Worte, die ständig missverstanden werden. Daran erkennen wir immer, auf welcher Entwicklungsstufe eine Zivilisation sich gerade befindet. Und da steht ihr leider erst am Anfang. Wobei die Gedankenübertragung bereits zu Beginn eurer Entwicklung absolut selbstverständlich war. Heute beherrschen diese hohe Kunst der Kommunikation auf eurer Erde nur noch die australischen Aborigines. Aber sogenannte „Ureinwohner“ verbannt ihr in eurer Wertekette ja leider auf die letzten Plätze. Sehr dumm.

Ihr braucht entsprechend auch eine Vielzahl verschiedenster Medien, um Informationen und Unterhaltung zu übertragen. Was bei euch die Sache allerdings noch komplexer macht: Ihr setzt äußerst rudimentäre Meßmethoden ein, um zu erfahren, ob und was angekommen ist. Genau das hatte mich schon immer fasziniert: Die ungehobelte, irdische Marketing- und Media-Arbeit. Sie hatte ich deshalb als Nebenfach auf der Uni. Mein Hauptfach war Extraterrestrische Biologie mit Schwerpunkt Tektonisches Leben. Aber das nur am Rande…

Was mich bei meinen Studien immer echt gewundert hat, ist euer eigentümlicher Umgang mit Medien und Marketing. Ich will ja nicht überheblich klingen, nur weil unsere Kultur Jahrtausende älter ist als eure. Aber irgendwie lernt ihr – seit dem Erscheinen der ersten Zeitung im 17. Jahrhundert und der Kommunikations-Wissenschaft vor hundert Jahren eurer Zeitrechnung – leider nur sehr schleppend dazu.

Ich bringe dazu mal ein paar Beispiele, die ich für meinen vorläufigen Bericht über den Zustand der Medien und der Kommunikation auf eurer Erde gesammelt habe.

Beginnen wir mit Print, dem ältesten Medium auf Erden. Es lebt von seinen Inhalten. Und davon, dass es die aktivere eurer Hirnhälften anspricht. Aber in eurem derzeitigen Sparwahn, ausgelöst durch reine Profitgier, spart ihr… na?… an den Inhalten. Unbegreiflich. Eure Printmedien verkommen dadurch zu Agenturabdruckstätten, in denen Meinung und Meinungsbildung zu kurz kommen, weil qualifizierte Journalisten teurer sind als Anfänger. Und noch schlimmer: Ihr verkauft immer mehr eurer Redaktion an Anzeigenkunden. Warum bei uns auf Median (Gedanken-) Redaktion und kommerzielle Botschaften strikt voneinander getrennt sind, werdet ihr noch früh genug erkennen. Hoffentlich. Also, falls eure Printmedien den Tag noch erleben. Sorry, in diesem Punkt muss ich streng sein.

Weil ihr offenbar mit Bildern erheblich besser umgehen könnt als mit Worten, ist bei euch das Fernsehen zum Leitmedium geworden. Informations- und Dokumentationssendungen sind jedoch kaum gefragt. Euer Fernsehen bedient in erster Linie die niederen Triebe, allen voran den Voyeurismus. Statt die Menschen mit wunderschönen Bildern und spannenden Geschichten zu faszinieren. Das finden wir schade. Auf unserer Bewertungs-Skala nennen wir das „Verschenkte Gedankenzeit“. Und obwohl wir viel länger leben als ihr, gilt es bei uns als Verbrechen, Zeit zu stehlen.

Was wir dagegen total lustig finden, ist die Art und Weise wie ihr eure TV-Spots ins Programm einbettet. Werbung für hohesC-Säfte, Chiquita-Smoothies und ob-Damenbinden nachts in Horrorfilmen, mit dem Argument, der Computer habe dort einen günstigen Tausend-Kontakt-Preis errechnet, ist einfach zum Schreien komisch. Übrigens, das mit den TKPs, die angeblich die Effizienz und Wirkung der Werbung beeinflussen, habe ich bis heute nicht verstanden. Auf der Uni lief das bei uns unter „Komik der irdischen Gedankenwindungen“.

Im Radio, dem Medium, das unserer Gedankenübertragung noch am nächsten kommt, brüllt ihr aus unerfindlichen Gründen eure Mitmenschen an, dass einem Hören und Sehen vergeht. Seltsam, dass ihr Erdlinge euch schon beim Aufstehen morgens um sieben von Möbelhäusern anschreien lasst. Ginge bei uns gar nicht… Wenn wir Botschaften per Gedanken übertragen, ist Höflichkeit und Respekt vor der Intimsphäre des Empfängers immer oberstes Gebot.

Bei euren Plakaten verstehen wir eins nicht: Die am besten zum Verkehr platzierten Plakate lasst ihr rotieren. Und es scheint in der Fahrbahn ein Impulsgeber installiert zu sein, der das Motiv immer dann verschwinden lässt, wenn sich ein Fahrzeug nähert. Das finden wir ziemlich amüsant. Denn das Einmalige an euren Plakaten, so habe ich es jedenfalls verstanden, ist ihre schiere Größe. Verbunden mit der Kraft des ruhenden Bildes. Aber das muss ich komplett missverstanden haben. Sonst würdet ihr die Schriften und Logos auf euren Plakaten nicht so klein machen…

Und nun habt ihr endlich auch das „Internet“ entdeckt. Wir hatten vor Ewigkeiten etwas Ähnliches, das sich aber als zu störanfällig gegen Sonnenwinde erwies. Als Speichermedium ist alles Digitale ohnehin unbrauchbar, weil es gegen Hacker verwundbar ist und sich ohnehin mit der Zeit von alleine löscht. Papier dagegen ist viele tausend Jahre haltbar. Da steht euch 2012 eine gewaltige Überraschung ins Haus.

Zurück aber zum Phänomen Internet. Noch glaubt ihr, es ginge dabei um Schnelligkeit. Darunter leidet jedoch die Qualität der Inhalte immens. Aber keine Sorge, das erkennt ihr bald. Total nervig finden wir eure Werbung im Internet. Dass sie die Inhalte überdeckt, würde bei uns nicht geduldet. Aber euch scheint das ja nicht zu stören. Noch nerviger ist eigentlich nur noch dieses Targeting, mit dem ihr gerade experimentiert. Man kann Marken nicht führen, indem man sich anbiedert. Na ja…

Erheblich interessanter und revolutionärer ist dagegen „Social Media“, wie ihr das nennt. Noch steht ihr erst am Anfang, denn eines Tages werden auch bei euch alle Medien wieder „social“ sein. Denn das ist der eigentliche Ur-Sinn dieser Medien. Jedenfalls, wenn man  Gedankenübertragung nicht beherrscht.

Nicht das Internet, sondern die Vernetzung der Menschen über Social Media wird zu einer Revolution führen, die eure Historiker später mit der des Buchdrucks vergleichen werden. Ihr dürft gespannt sein, wie das weitergeht. Denn Blogs, Facebook und Twitter sind erst der Anfang.

Und das (für euch) Überraschende daran wird sein, dass – im Zuge der ganzen Digitalisierung – das Buch und die Printmedien keinesfalls von der Bildfläche verschwinden, sondern sogar aufgewertet werden. Dummerweise bewertet ihr noch den Wert eines Mediums nach seinen Reichweiten und Auflagen. Typisch Mensch: Ihr vermischt immer Quantitäten mit Qualitäten. Das ist euch einfach nicht auszutreiben. Ihr werdet noch sehen: Die Auflage eines Printmediums spiegelt nicht seinen Wert wieder. Aber das ist „Perlen vor die Säue“, wie ihr zu sagen pflegt. Allerdings müsst ihr dringend ein anderes Trägermaterial für Print finden. Das Abholzen eurer Bäume werden wir nicht länger dulden. Doch da ist gottseidank bald eine Lösung in Sicht. Nein, nicht das iPad…

Soweit also einige Auszüge aus meinem Report ans Hauptquartier. Wenn ihr Interesse habt, kann ich bei Gelegenheit hie und da noch in die Tiefe gehen. Vielleicht helfen mir auch eure Kommentare, das eine oder andere besser zu verstehen. Wie gesagt, vieles an eurer Medien- und Kommunikations-Welt ist mir nach wie vor absolut rätselhaft.

Übrigens: Unsere Gedankenübertragung würde ich euch ja schon gern vorführen. Nur funktioniert sie in eurer Erdatmosphäre nicht besonders gut, weil die Luft so kontaminiert ist. Aber darum kümmert sich der Kollege Joschka Fischer. Ja, der gehört auch zu uns.

In einigen Wochen werde ich abgeholt, um meinen Report abzuliefern. Ja, den liefere ich persönlich ab. Die Gedankenübertragung funktioniert leider nicht über eine Entfernung von tausenden Lichtjahren. Aber ich dürfte bestimmt einige von euch nach Median mitnehmen. Keine Sorge, wir wären in etwa zwei Wochen irdischer Zeitrechnung wieder zurück. Und alleine schon der Flug ist eine mittlere Sensation. Wer also Lust hat mitzukommen, kann sich gern bei mir melden.

Intergalaktische Grüße

Euer ASHTAR

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