Über die Zukunft und Gegenwart der Medien…

Alle (Media-) Welt rätselt über die Medien-Zukunft. Wird das Internet TV als Leitmedium ablösen können? Die Online-Spendings explodieren ja förmlich und drohen immer mehr die Investitionen in klassische Medien zu verdrängen. Ist TV noch das „Lagerfeuer“, um das sich die Zuschauer versammeln?  Nach AGF sind die Zuschauer zwar am Gerät, aber schwindet womöglich deren Aufmerksamkeit? http://www.marketing-site.de/CONTENT/_p=1003458,_t=ftkolum,_b=73148  Die Printauflagen sinken kontinuierlich – wird jedoch RFID (http://www.printwirkt.de/rfid/) die Bewertung des Printkontaktes wirklich revolutionieren können?

So viele Fragen gab es noch nie.

Mitten in diese täglichen News und Diskussionen veröffentlicht die ARD-/ZDF-Langzeitstudie „Massenkommunikation“ ihre Ergebnisse für 2010: http://www.media-perspektiven.de/6162.html#c22287. Und gibt der Diskussion damit neuen Nährstoff: Bei den 14-29Jährigen erleben wir fast eine Verdoppelung der Internet-Nutzungsdauer seit 2005. Das überrascht natürlich nicht. Wohl aber, dass deren TV- und Radionutzung signifikant einbricht. In der Gesamtbevölkerung verlieren die Zeitungen 18% und die Zeitschriften 50% ihrer Nutzungsdauer. Die tägliche Reichweite aller (!) Medien sinkt zugunsten des Internets, selbst die des Fernsehens. In der Vermissensfrage („Inselfrage“) fallen die traditionellen Medien bei den 14-29Jährigen erstmals deutlich hinter das Internet zurück (alleine TV verliert 25%-Punkte), aber… sie lesen immerhin mehr Bücher. Erstaunlicherweise schwindet die Gesamt-Medianutzung erstmals seit 1980 – und dadurch erhält das Internet natürlich eine noch stärkere Rolle im Spiel der Mediakräfte.

Diese neuen Datensind schon eine kleine Sensation. Wer sich bislang bequem zurücklehnte, weil Online zwar wuchs, aber besonders den elektronischen Medien offenbar keine (Werbe-) Kraft zu rauben schien, muss sich neue Fragen stellen. Ist jetzt ein Umdenken nötig? Sollten wir aufhören, über die Zukunft der Medien zu diskutieren – und uns stattdessen Gedanken über die Gegenwart der Medien machen?

Ich meine ja.

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6 comments
  1. Chris said:

    Glückwunsch zum ersten Blogartikel auf Posterous. ;-)Zur Fragestellung: Natürlich ist ein Umdenken nötig. Ich beschränke mich einmal auf Online, Print wird noch weiter leben, aber nach und nach zurückgehen.Der Geburtsfehler des Internets waren nicht die kostenlose Inhalte, wie es überall kolportiert wird, sondern dass sich die kommerziellen Angebote, gerade von Verlagen und Medien, weit unter Wert verkauft haben.Sie haben sich auf lächerliche Spielchen wie TKP eingelasse, anstatt ihre Marke zu verkaufen. Wenn beispielsweise beim Spiegel geworben wird, darf es nicht heißen, "ja, nun bezahl mal so und soviel nach TKP", nein, es hätte heißen müssen, "Du willst bei UNS werben? Das kostet das und das", ungeachtet der Besucher.Dazu kommen die ganzen unsäglichen Werbeanzeigen wie Flash, Blinkzappeldiwink, Popups, Layer & Co. Sie verschandeln die Webseiten, die Webseiten werden ihrer Identität braubt, treiben die CPU-Last in die Höhe, uswusf. Werbung wird von fast allen Internetnutzern nicht als notweniges Übel angesehen, und somit zähneknirschend akzeptiert, sondern als nerviger, zeit- und ressourcenfressender Mist. Gerade Verlage und Medien haben es am Anfang vermasselt, schaffen es jetzt nicht mehr, gegenzulenken und versuchen mit undemokratischen Mitteln wie dem Leistungsschutzrecht den Menschen auf anderem Weg das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nur: das wird nicht klappen. Das Netz findet seinen Weg, das hat es bislang überall getan. Seien es im Kleinen die Schranken der NYT, dem Hamburger Abendblatt oder im Großen gerade im Nahen Osten zu sehen.Niemand wird "uns" aufhalten, schon gar nicht ein paar Krämerseelen, dessen einzige Beschäftigung im Internet ist, Geld zu verdienen.

  2. Oli Palko said:

    Hallo Thomas,ein guter, ein wichtiger und ein treffender Artikel!Aber ich glaube nicht, dass wir aufhören sollten über die Zukunft der Medien zu diskutieren. Tue das Eine, ohne das Andere zu lassen.Im Fall der Verlagsmedien ist diese Empfehlung noch wichtiger, als je zu vor. Denn die Verlagsmedien haben es verschlafen für Ihre Werbekunden Mehrwert zu schaffen. Aus diesem Grund kann ich keinem meiner Kunden mehr guten Gewissens Anzeigenwerbung in Reichweite starken Zeitungen und Zeitschriften empfehlen. Seit knappen 1,5 Jahren rate ich davon sogar ab, ich muss das tun, denn ich trage Verantwortung für die Budgets, die mir meine Kunden anvertrauen.Die Gegenwart der Medien ist Umbruch, Veränderung und birgt ein riesiges Potential an Innovationen und Chancen. Über die Gegenwart zu diskutieren ist ein Bestandteil der Zukunft der Medien. Wir müssen das eine Tun > über die gegenwärtige Situation und Möglichkeiten sprechen ohne das Andere zu lassen > für die Zukunft neue, Grenzen überschreitende Wertschöpfungswege zu schaffen. The Daily, Project & Co. sind nicht die Zukunft, sondern nur ein Versuch alten Wein in neue Schläuche zu verkaufen. Ps: Ich freue mich auf Deinen nächsten Beitrag und hoffe, dass zu diesem, ersten Beitrag eine ideenreiche Diskussion entsteht.Liebe Grüße Oli Palko

  3. Thomas Koch said:

    Zum Thema Print gern noch ein Nachtrag. Ich habe neulich vorhergesagt, dass Print in den nächsten Jahren weitere 25% seiner Auflagen einbüßen wird. Die 75%, die bleiben, werden die wertvollsten Printnutzer, die Print jemals hatte. Denn das sind diejenigen, die – trotz Internet – Print weiterhin und intensiv nutzen. Aus diesem Wert muss Print deutlich mehr Kapital schlagen als es bisher gelungen ist. Dann kann Print nicht nur überleben, sondern weiterhin qualitativ hochwertigen Journalismus bieten.

  4. Print gewinnt nicht dadurch, dass man Print für Qualitätsjournalismus reserviert / pachtet. Sondern Print gewinnt, wenn man in Print das anbietet, was die präsumtiven Käufer in Print haben und kaufen wollen …

  5. Thomas Koch said:

    Zu den leidigen TKPs: Ja, da haben die frühen Anbieter einen grausigen Fehler gemacht. Denn kein Mensch hat erwartet, dass Online auch das billigste Medium wird. Aber die Preise steigen und werden weiter steigen. Denn alle Big Player sind NUR deshalb im Internet, WEIL sie damit Geld verdienen wollen.

  6. Fritz Iversen said:

    Man hat die Tendenz ja schon gefühlt – jetzt kommen auch die Zahlen ins Rutschen. Das Internet darf man aber nicht analog zu TV oder Print sehen. Da findet ja auch Verbraucherkommunikation statt. Deshalb ist die Debatte, die sich Media-Planer stellen müssen, eine ganz andere, nämlich die Frage wie weit künftig Qualitäten wichtiger werden als Quantitäten. Vielleicht will man ja gar nicht zu 5 Millionen "Verbrauchern"/Kaufgruppe XYZ sprechen, sondern zu den 100.000 Leuten, die im Internet aktiv Meinung machen? Wir haben es ja nicht mehr nur mit Senden-Empfangen-Modellen zu tun, sondern mit einem Netzmodell "Senden-Empfangen-Verteilen". Von daher muss Media-Wirkung völlig neu gedacht werden, sobald das Internet zum Zentralmedium schlechthin wird. Dies ist ein sehr liquider Prozess, ich vermute, in 12 bis 24 Monaten ist es soweit. Wenn die Media-Agenturen da mithalten wollen, kann es sein, dass ganz neue Rechenprogramme nötig sein könnten, die auch Netzwerk-Mathematik und – Wahrscheinlichkeiten einbeziehen.

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